YERKA-Ratgeber - Alles übers Schwitzen

Extremes Schwitzen: Ursachen erkennen und richtig handeln

Schweiß schützt den Körper vor Überhitzung. Bei hohen Temperaturen, Sport, körperlicher Arbeit, Fieber oder Aufregung ist es deshalb normal, dass wir schwitzen. Problematisch wird die Reaktion, wenn die Schweißmenge nicht mehr zur Situation passt, ohne erkennbaren Anlass auftritt oder den Alltag deutlich einschränkt.

Extremes Schwitzen kann einzelne Bereiche wie Achseln, Hände, Füße oder Kopf betreffen, aber auch am ganzen Körper auftreten. Dabei handelt es sich nicht automatisch um eine gefährliche Erkrankung. Sehr starkes Schwitzen sollte jedoch ernst genommen werden – besonders wenn es plötzlich beginnt, nachts auftritt oder von weiteren Beschwerden begleitet wird.

Ab wann spricht man von extremem Schwitzen?

„Extremes Schwitzen“ ist kein eigener medizinischer Fachbegriff. Mediziner sprechen von Hyperhidrose, wenn der Körper mehr Schweiß produziert, als für die Temperaturregulation erforderlich ist. Eine allgemeingültige Grenze in Millilitern gibt es nicht. Entscheidend sind das Muster, die Häufigkeit und die Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Für eine starke fokale Hyperhidrose sprechen beispielsweise tropfende Hände, wiederholt durchnässte Kleidung oder große Schweißflecken. Typisch für die primäre Form ist, dass das Schwitzen meist beidseitig, mindestens einmal pro Woche, weitgehend unabhängig von der Temperatur und nicht willentlich kontrollierbar auftritt. Häufig beginnt es bereits im Kindes- oder Jugendalter und lässt während des Schlafs nach. Die AWMF-Leitlinie zur primären Hyperhidrose betont, dass es keinen einzelnen Labor- oder Messwert gibt, mit dem eine Hyperhidrose sicher bewiesen oder ausgeschlossen werden kann.

Manche Betroffene schwitzen extrem stark an einer bestimmten Stelle. Extremes Schwitzen am Kopf kann sich beispielsweise durch eine ständig feuchte Stirn, nasse Haare oder Schweiß zeigen, der ins Gesicht läuft. Es kann zu einer primären fokalen Hyperhidrose gehören, aber auch andere Ursachen haben. Mehr zur medizinischen Einordnung lesen Sie unter übermäßiges schwitzen.

Welche Krankheiten können extremes Schwitzen auslösen?

Bleibt die Ursache unklar, wird zunächst zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose unterschieden. Bei der primären Hyperhidrose lässt sich keine andere Erkrankung als Auslöser feststellen. Die Schweißdrüsen sind nicht zahlreicher oder größer, sondern werden durch das vegetative Nervensystem überstimuliert.

Bei der sekundären Hyperhidrose ist das Schwitzen dagegen ein Symptom oder eine Nebenwirkung. Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • eine Schilddrüsenüberfunktion,
  • Diabetes oder Unterzuckerung,
  • Infektionen und fieberhafte Erkrankungen,
  • hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren,
  • bestimmte neurologische Erkrankungen,
  • in seltenen Fällen bestimmte Krebserkrankungen.

Auch Medikamente können extreme Schweißausbrüche auslösen, beispielsweise einige Antidepressiva, Schmerzmittel sowie Diabetes- oder Hormonpräparate. Medikamente sollten deshalb nie eigenständig abgesetzt werden. Sinnvoll ist ein Gespräch mit der behandelnden Praxis, besonders wenn die Beschwerden nach Beginn eines neuen Präparats oder nach einer Dosisänderung aufgetreten sind. Eine entsprechende Übersicht möglicher sekundärer Auslöser bietet auch die Mayo Clinic.

Die Suche nach „extremes Schwitzen ohne Grund“ bedeutet daher nicht, dass tatsächlich keine Ursache vorhanden ist. Hinweise liefern der Zeitpunkt, die betroffenen Körperstellen, mögliche Auslöser und Begleitsymptome. Eine ausführliche Übersicht finden Sie im Beitrag starkes schwitzen ursachen.

Was hilft kurzfristig gegen extremes Schwitzen?

Kurzfristige Maßnahmen beseitigen die Ursache nicht, können eine akute Situation aber erleichtern:

  • Suchen Sie einen kühleren Ort auf und lockern Sie enge Kleidung.
  • Trinken Sie ausreichend, besonders bei Hitze oder körperlicher Belastung.
  • Trocknen Sie die Haut vorsichtig ab und wechseln Sie feuchte Kleidung oder Socken.
  • Meiden Sie bekannte Verstärker wie Alkohol, sehr scharfe Speisen oder große Mengen Koffein.
  • Atmen Sie in Stresssituationen langsam und gleichmäßig, um die körperliche Anspannung zu senken.
  • Verwenden Sie bei wiederkehrenden Beschwerden ein geeignetes Antitranspirant nach Gebrauchsanweisung.

Anders als ein Deodorant, das hauptsächlich gegen Geruch wirkt, kann ein Antitranspirant die Schweißabgabe an der behandelten Stelle vorübergehend reduzieren. Es wird üblicherweise abends auf vollständig trockene, unverletzte Haut aufgetragen. Bei starkem Schwitzen am Kopf sollten nur ausdrücklich dafür geeignete Produkte verwendet und Augen sowie Schleimhäute ausgespart werden. Eine Apotheke oder Hautarztpraxis kann bei der Auswahl helfen.

Weitere alltagstaugliche Maßnahmen bündelt der Ratgeber was hilft gegen schwitzen. Treten extreme Schweißausbrüche zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Kreislaufproblemen auf, sind Selbsthilfemaßnahmen jedoch nicht ausreichend.

Welche langfristigen Behandlungen gibt es?

Die langfristige Therapie richtet sich nach Ursache, Körperregion und Schweregrad. Bei einer sekundären Hyperhidrose steht die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung oder die ärztlich begleitete Anpassung eines auslösenden Medikaments im Vordergrund.

Bei primärem starkes schwitzen wird meist stufenweise behandelt:

  1. Antitranspirante: Präparate mit Aluminiumsalzen gelten als wichtige erste Behandlungsoption für fokale Hyperhidrose. Sie werden regelmäßig angewendet und später häufig nur noch nach Bedarf.
  2. Topische Arzneimittel: Für starkes Schwitzen unter den Achseln stehen ärztlich verordnete Wirkstoffe zur Verfügung, die die Aktivität der Schweißdrüsen hemmen.
  3. Leitungswasser-Iontophorese: Schwacher Gleichstrom durch Wasser kann vor allem das Schwitzen an Händen und Füßen reduzieren. Für einen anhaltenden Effekt sind Erhaltungsbehandlungen nötig.
  4. Botulinumtoxin: Injektionen unterbrechen vorübergehend die Nervenreize an den behandelten Schweißdrüsen. Die Wirkung hält meist mehrere Monate an.
  5. Systemische Medikamente: Anticholinergika können die Schweißproduktion im ganzen Körper verringern, haben jedoch mögliche Nebenwirkungen und gehören in ärztliche Hand.
  6. Apparative und operative Verfahren: Energiebehandlungen oder die Entfernung von Schweißdrüsen kommen vor allem bei ausgeprägter axillärer Hyperhidrose infrage. Eingriffe am Sympathikus werden nur in ausgewählten schweren Fällen erwogen, da unter anderem kompensatorisches Schwitzen auftreten kann.

Es gibt nicht eine Behandlung, die für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet ist. Häufig ist eine Kombination aus medizinischer Therapie, angepasster Kleidung, dem Meiden persönlicher Auslöser und einem Schweißtagebuch sinnvoll. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt ein individuelles, stufenweises Vorgehen.

Wann ist ein Arztbesuch bei extremem Schwitzen sinnvoll?

Eine hausärztliche oder dermatologische Abklärung ist sinnvoll, wenn das Schwitzen:

  • ohne nachvollziehbaren Anlass beginnt oder plötzlich deutlich stärker wird,
  • seit mindestens sechs Monaten besteht oder mindestens wöchentlich auftritt,
  • nachts vorkommt,
  • den gesamten Körper oder nur eine Körperseite betrifft,
  • Beruf, soziale Kontakte, Schlaf oder Kleiderwahl spürbar beeinträchtigt,
  • nach Beginn eines Medikaments aufgetreten ist,
  • mit Fieber, Gewichtsverlust, Herzrasen, Zittern oder ausgeprägter Schwäche einhergeht.

Auch ständiges schwitzen oder sehr starkes Schwitzen am Kopf sollte abgeklärt werden, wenn es neu ist oder sich keine plausible Erklärung findet. In der Praxis werden unter anderem Beginn, Verteilung, Auslöser, Medikamente und Begleitsymptome erfragt. Je nach Verdacht können eine körperliche Untersuchung, Bluttests oder weitere Diagnostik folgen. Ähnliche Kriterien für einen Arztbesuch nennt die NHS-Patienteninformation zur Hyperhidrose.

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